Im Rahmen des Projekts Global Tandem Lab fanden zwischen März und August 2026 drei Mentoring- und Ko-Kreationslabore statt. Sie brachten Menschen zusammen, um sich theoretisch und praktisch mit globalen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Dazu gehörten globale Gerechtigkeit, soziale Ungleichheiten, Klimawandel, Migration, Diskriminierung, nachhaltiger Konsum sowie die mediale Darstellung des Globalen Nordens und des Globalen Südens. Die Veranstaltungen stärkten die Dialogfähigkeit, das kritische Denken und die Medienkompetenz der Teilnehmenden. Damit verfolgte das Projekt sein Ziel weiter, den interkulturellen Dialog, die kritische Auseinandersetzung und die gemeinsame Wissensproduktion zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden zu fördern.

Der erste Workshop fand am 25. März 2026 von 17:30 bis 19:00 Uhr online statt und widmete sich der Medienbildung sowie kolonial geprägten Bildtraditionen. Etwas mehr als 20 Personen aus Benin, Kamerun, Burkina Faso, der Demokratischen Republik Kongo und Deutschland nahmen daran teil. Die Veranstaltung wurde von Nicole Amoussou moderiert; Abdou-Rahime Diallo brachte einen fachlichen Beitrag ein. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage, wie koloniale Denkmuster die Darstellung Schwarzer Menschen in Filmen, Videospielen und Werbung bis heute prägen. Anhand einer partizipativen Übung zur Verbreitung von Bildern von Menschen in prekären Lebenssituationen diskutierten die Teilnehmenden die Grenzen zwischen Sensibilisierung, humanitärer Öffentlichkeitsarbeit und der Achtung der Menschenwürde. Weitere Gesprächsthemen waren verinnerlichte Stereotype, die Rolle lokaler Akteurinnen und Akteure in Entwicklungsinitiativen sowie die Notwendigkeit, Kooperationsansätze auf lokale und nachhaltige Ressourcen zu stützen. Die Diskussion verdeutlichte, wie wichtig es ist, überlieferte koloniale Narrative zu dekonstruieren und gerechtere, respektvollere Darstellungen zu fördern, die an den Lebensrealitäten der betroffenen Gemeinschaften anknüpfen.

Das zweite Treffen fand am 19. Mai 2026 von 15:00 bis 19:00 Uhr in Mannheim in Präsenz statt. Im Mittelpunkt stand ein Mapathon mit OpenStreetMap. Rund 20 Personen nahmen an dieser praktischen Veranstaltung teil. Sie lernten die Möglichkeiten kollaborativer Kartierung kennen und beteiligten sich daran, Gebäude auf digitalen Karten zu identifizieren und zu erfassen. Über den Umgang mit einem frei zugänglichen digitalen Werkzeug hinaus zeigte die Veranstaltung, wie wichtig die Erstellung und Weitergabe frei zugänglichen Wissens sowie gemeinschaftliche Arbeit an Projekten mit gesellschaftlicher Wirkung sind. Damit entsprach sie dem Ansatz des Global Tandem Lab, das die Teilnehmenden dazu ermutigt, selbst Wissen mitzugestalten und Kompetenzen für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen zu entwickeln.

Der dritte Workshop fand schließlich am 26. August 2026 von 15:30 bis 18:00 Uhr online statt. Unter dem Titel „Dekolonisierung von Wissen, Erinnerung, Kulturerbe und Weitergabe“ kamen 117 Teilnehmende zusammen; Audrey Noukeu gestaltete einen inhaltlichen Beitrag. Im Austausch ging es darum, wie das koloniale Erbe bis heute Denkweisen, gesellschaftliche Praktiken und die Wahrnehmung afrikanischen Wissens beeinflusst. In mehreren partizipativen Übungen wurden die Teilnehmenden angeregt, ihre Vorstellungen von Modernität zu hinterfragen. Dazu verglichen sie beispielsweise konventionelle medizinische Verfahren mit Wissen über Heilpflanzen sowie unterschiedliche Darstellungen religiöser Stätten. Die Diskussionen ermöglichten eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kolonialität und den langfristigen Spuren des Kolonialismus in politischen Systemen, gesellschaftlichen Strukturen und Denkmustern. Eine weitere Übung ging von einer Schule in Benin aus, an der die Geschichte des Landes anhand von Schulbüchern unterrichtet wird, die in Frankreich verfasst und veröffentlicht wurden. Dieses Beispiel regte zum Nachdenken über den Stellenwert lokalen Wissens in Bildungssystemen und darüber an, wie dieses Wissen besser bewahrt und weitergegeben werden kann. Als mögliche Ansätze wurden Bücher beninischer und anderer afrikanischer Autorinnen und Autoren, die stärkere Wertschätzung von Erstsprachen sowie die Einbindung traditionellen Wissens in den Unterricht genannt. Der Workshop unterstrich damit, wie wichtig es ist, koloniale Hinterlassenschaften kritisch zu hinterfragen, den Reichtum afrikanischer Wissensbestände anzuerkennen und die Wissensvermittlung stärker an lokalen Lebensrealitäten auszurichten.
Die drei Workshops bildeten aufeinander bezogene Etappen eines gemeinsamen Prozesses: überlieferte Vorstellungen aus der Kolonialzeit zu hinterfragen, Machtverhältnisse bei der Produktion und Weitergabe von Wissen kritisch zu betrachten und inklusivere sowie gerechtere Formen des Wissensaustauschs zu erkunden. Durch die Beteiligung von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Lebenszusammenhängen förderte das Global Tandem Lab den Austausch verschiedener Erfahrungen und die gemeinsame Entwicklung neuer Perspektiven auf die behandelten Themen. In der nächsten Projektphase sollen die gewonnenen Erkenntnisse durch die Veröffentlichung der von den Teilnehmenden gemeinsam geschaffenen Werke sichtbar gemacht werden. Diese Ergebnisse sollen den Austausch über die Workshops hinaus fortsetzen und die gemeinsam entwickelten Ideen, Erfahrungen und Vorschläge einem breiteren Publikum zugänglich machen.





